Was ist Calprotectin?

Calprotectin ist ein natürlich im Körper vorkommendes Protein, insbesondere in einer bestimmten Art weißer Blutkörperchen, den Neutrophilen. Diese Zellen sind Teil des Immunsystems und eilen zu Entzündungs- oder Infektionsherden. Bei einer Entzündung im Darm werden diese Neutrophilen aktiv und setzen Calprotectin frei. Daher korreliert die Calprotectin-Konzentration in einer Stuhlprobe direkt mit dem Ausmaß der Entzündung im Magen-Darm-Trakt.

Warum wird der Test durchgeführt?

Der Hauptgrund für einen Calprotectin-Test besteht darin, Ärzten zu helfen, zwischen zwei Hauptkategorien von Darmproblemen zu unterscheiden:

1. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Dazu gehören Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts angreift und so eine chronische Entzündung verursacht.
2. Reizdarmsyndrom (RDS): Hierbei handelt es sich um eine funktionelle Störung, bei der der Darm empfindlich ist und Symptome wie Krämpfe und Blähungen verursacht, ohne dass eine sichtbare Entzündung oder Schädigung vorliegt.

Die Symptome von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und Reizdarmsyndrom (RDS) – wie Bauchschmerzen, anhaltender Durchfall und Blähungen – können sehr ähnlich sein. Der Calprotectin-Test dient als hilfreicher „Entzündungsmarker“, der Ärzten die richtige Diagnose ermöglicht.

Wie wird der Test durchgeführt?

Der Test ist bemerkenswert einfach und nicht-invasiv. Sie benötigen lediglich eine kleine Stuhlprobe, die Sie zu Hause mit einem speziellen Testkit Ihres Arztes oder Ihrer Klinik entnehmen. Die Probe wird anschließend zur Analyse an ein Labor geschickt. Dort messen Laborfachkräfte die Calprotectin-Konzentration im Stuhl, die üblicherweise in Mikrogramm pro Gramm (µg/g) angegeben wird.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Normaler/niedriger Wert: Ein Ergebnis im Normbereich (oft unter 50 µg/g, wobei der genaue Grenzwert je nach Labor variieren kann) spricht stark dafür, dass keine aktive Entzündung im Darm vorliegt. Dies unterstützt die Diagnose einer nicht-entzündlichen Erkrankung wie beispielsweise Reizdarmsyndrom.
Erhöhter Calprotectinwert: Ein erhöhter Calprotectinwert deutet auf eine Entzündung im Magen-Darm-Trakt hin. Dies erfordert weitere Untersuchungen zur Ursachenfindung. Obwohl er ein starker Indikator für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) ist, können erhöhte Werte auch bei anderen Erkrankungen wie bakteriellen Infektionen, Colitis oder sogar Darmkrebs auftreten. Daher ist er kein eindeutiges Diagnoseinstrument für eine bestimmte Erkrankung, sondern ein wichtiger Hinweis.
Für Menschen mit bekannter chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (CED): Der Test dient auch zur Überwachung von Patienten mit bereits diagnostiziertem Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Die regelmäßige Kontrolle des Calprotectin-Spiegels hilft Ärzten, den Behandlungserfolg, eine Remission oder einen bevorstehenden Krankheitsschub zu beurteilen – manchmal sogar vor dem Auftreten von Symptomen.

Vorteile und Einschränkungen

Vorteile:
Nicht-invasiv: Für die Erstuntersuchung sind keine Nadeln oder Endoskope erforderlich.
Hilfreiches Triage-Tool: Hilft effektiv dabei, entzündliche von nicht-entzündlichen Erkrankungen zu unterscheiden und reduziert so die Notwendigkeit unnötiger invasiver Eingriffe wie Darmspiegelungen bei Reizdarmpatienten.
Gut geeignet zur Überwachung: Liefert ein objektives Maß für die Entzündung im Zeitverlauf.

Einschränkungen:
Nicht spezifisch: Es lokalisiert zwar die Entzündung, aber nicht deren genaue Ursache oder Lage.
Kann zu falsch positiven Ergebnissen führen: Erhöhte Werte können bei der Einnahme von NSAIDs, bestimmten Darminfektionen oder bei älteren Menschen auftreten.
Nachuntersuchung erforderlich: Ein hoher Wert erfordert fast immer weitere Untersuchungen, typischerweise endoskopische Verfahren wie eine Koloskopie, um eine visuelle Diagnose zu erhalten und Biopsien zu entnehmen.

Abschluss

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Stuhl-Calprotectin-Test ein wertvolles und patientenfreundliches Instrument in der modernen Gastroenterologie darstellt. Er dient als effektives Frühscreening zur Erkennung von Darmentzündungen, hilft bei der Unterscheidung zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und Reizdarmsyndrom (RDS) und unterstützt die Entscheidung über die Notwendigkeit weiterer, invasiverer Untersuchungen. Wenn Sie anhaltende Verdauungsbeschwerden haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob ein Calprotectin-Test ein sinnvoller erster Schritt in Ihrer Diagnostik sein könnte.

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Veröffentlichungsdatum: 03.12.2025